Samstag, 4. Oktober 2008

Lichtspiele

Nachdem ich im letzten Eintrag so sehr ein Buch anpries, hier der Titel: "Tuesdays with Morrie", zu deutsch "Dienstags bei Morrie". Ich will jetzt nicht groß auf das Buch eingehen, aber hatte das Gefühl, dass ich euch das schulde. Das Buch ist, meiner Meinung nach, wirklich sehr, sehr gut.

Ich schreibe aber aus einem anderen Grund. Ich halte mich normalerweise mit Rezensionen ein wenig zurück, aber ich kann nicht schlafen (obwohl ich vorhin total müde war) und war heute Abend im Kino. Es lief Wall.E, ein Pixar-Film.

Nun weiß ich nicht, wie das Standardskript für einen Film aussieht, aber ich stelle es mir ähnlich vor wie in einem Theaterstück - Dialoge und Regieanweisungen oder Regievorschläge. Bei Wall.E kann das nicht der Fall sein, da ich noch nie einen Film gesehen habe, der so dialogarm ist wie dieser (wenn man mal vom Stummfilm absieht). Das tut dem Film aber keinen Abbruch - er ist so toll, dass es egal ist.

Wall.E behandelt viele, viele Themen, die der Menschheit als gesamtes wichtig sind oder zumindest sein sollten - so zum Beispiel blinder Gehorsam vs. Initiative, Eigenständigkeit vs. Abhängigkeit, Emotion vs. Effizienz. Wall.E räumt die Welt auf, hat aber in den vielen Jahren, in denen er - als der letzte Roboter seiner Art - nichts außer arbeiten und lernen konnte, festgestellt, dass es so etwas wie Schönheit gibt. Auf dem postapokalyptischen Planeten Erde findet er eine Pflanze, er hört Musik und versucht sogar, eine Musicalszene nachzustellen. Das ist einfach nur niedlich, knuffig und wunderschön.

Den gesamten Plot durchzugehen würde zu lange dauern, aber ich würde das echt gern tun, weil jeder Moment des Filmes mir einfach sehr gefallen hat. Wall.E verliebt sich in einen anderen Roboter, der eigentlich die Effizienz pur darstellt, der sich aber auch für Wall.E erweichen kann, weil Wall.E so aufopferungsvoll ist. Die Liebe schlägt eben alles.

Ansonsten lehrt der Film (der natürlich auf Kinder abzielt, aber für Erwachsene genau so wertvoll ist, behaupte ich) einige recht bekannte Lektionen: Wer nur herumliegt und frisst, wird fett und schwach. Wer blind gehorcht, wird dumm. Wer nur Fern sieht, dem entgehen die wahrhaft schönen Dinge der Realität. Und nicht zuletzt: Wer dem Computer die Herrschaft in die Hand gibt, begeht einen groben Fehler, so bequem es auch sein mag, einen Computer alles machen zu lassen.

Insgesamt ist Wall.E voller Lektionen, die für Kinder wertvoll zu lernen und für Erwachsene wertvoll zu behalten sind. Er ist liebevoll gemacht und zeigt mit wenig Gespräch und viel Bild auf, was einen guten Menschen ausmachen kann - offene Augen, ein offenes Herz und die Fähigkeit, sich auch über kleine Dinge zu freuen, wie Wall.E über einen Mülltonnendeckel, mit dem er endlich einen Hut für seine Musicalszene hat.

Ich würde Wall.E als meinen Lieblingsfilm 2008 bezeichnen, wenn ich nicht vor kurzem erst "The Dark Knight" gesehen hätte, und das liegt auch nur daran, dass dort so phänomenal geschauspielert wurde, wie es ein Animationsfilm einfach nicht präsentieren kann.

Trotzdem: Das war definitiv einer der besten Filme des Jahres für mich, ganz oben auf der Liste.

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