Sehr geehrte Kunden, ...

... Sie sind größtenteils bescheuert und lassen ihr Hirn sonstwo, wenn Sie unseren Markt betreten. Da unsere Kassierer diejenigen sind, die den größten Kontakt zu Ihnen pflegen, hier eine Mitteilung von einem unserer Kassierer an Sie. Hören Sie bitte gut zu und nehmen Sie sie nicht nur zur Kenntnis, sondern verinnerlichen Sie auch die zur Sprache gebrachten Punkte.

Ihr Supermarkt.

Hallo,

es gibt so ein Paar Dinge, die mich als Kassierer aufregen. Mag Kleinkram sein, aber wenn man tatsächlich stundenlang immer wieder das selbe vorgeseiert bekommt, ist irgendwann Schicht bei mir. Dann schalte ich ab, weil ich sonst schreien muss.

Erstens. Es ist nicht meine verdammte Aufgabe zu erraten, wann der eine Einkauf aufhört und wann der nächste anfängt. An jedem Kassenband liegen so Kundentrenner, die man mit einem Handgriff (ja, wirklich, EIN HANDGRIFF!) nach seinen Einkauf legen kann, dann ist alles glasklar, versprochen. Warum nach den Einkauf, fragen Sie, und nicht davor? Ganz einfach: Weil Sie nur das zahlen wollen, was Sie auch mitnehmen. Wenn jetzt Ihre Ware auf die Rechnung des Vorgängers rutscht, kann das Ihnen egal sein, zahlt ja er. Darum muss er signalisieren, und zwar propter hoc, dass sein Einkauf zu Ende ist. Wenn Sie mich anmotzen, weil die Wurst, die ich gerade über den Scanner gezogen habe, nicht mehr zu Ihrem Einkauf gehört, dann sind sie daran selber Schuld, verdammte Kacke, und dafür lasse ich mich nicht anmeckern.

Zweitens. Wenn Sie so bescheuert sind und an einem Samstagnachmittag einkaufen gehen, dann nehmen Sie Wartezeiten gefälligst in kauf. Ich weigere mich, schlechte Laune mit einem Lächeln ertragen zu müssen, nur weil Sie es angeblich so irre eilig haben. Dann hätten Sie halt früher losgehen oder in einem Feinkostladen einkaufen müssen, da warten Sie nicht so lange.

Drittens. Jeder Kunde darf sich so viel Zeit lassen, wie er will. Es ist nicht meine Aufgabe, Leute durch die Gegend zu scheuchen. Wenn Sie es eilig haben, können Sie selber den oder die Kunden vor Ihnen anmeckern und sich bloßstellen.

Viertens. Ich bin nicht für Preise verantwortlich. Ich lasse mich nicht anmotzen, weil etwas so irre teuer ist. Die Preise diktiert der Chef, die Industrie, die Wirtschaft, scheissegal, aber niemals die arme Socke an der Kasse.

Fünftens. Wenn etwas irgendwo falsch im Regal steht und somit angeblich mit einem falschen Preis ausgezeichnet ist, liegt das zu 99% an Kunden wie Ihnen, die Dinge in Ihre Einkaufswagen stellen und dann merken, dass Sie es nicht brauchen. Die Lösung ist NICHT, Sachen einfach irgendwo hinzustellen!

Sechstens. Schauen Sie auf die verdammten Schilder am Regal. Nur, weil ein sechsteiliges Topfset bei den Zwiebeln steht, heißt das nicht, dass die Töpfe pro Kilo einen Euro neunundfünfzig kosten. Auf dem Schild steht dann "ZWIEBELN". Somit gilt der direkt darunter gedruckte Preis nicht für Töpfe. Das selbe Prinzip greift auch, wenn Käse bei der Wurst liegt, Kaffee bei den Socken, Goldbarren auf dem Wühltisch, und so weiter. Seien Sie realistisch.

Siebtens. Ich kontrolliere Ausweise, wenn ich darauf Lust habe. Die Frage "sehe ich etwa nicht aus wie 18?" ist unnötig, weil ich sonst nicht nach dem Ausweis fragen würde.

Achtens. Ich bin nicht dumm. Ich sitze an der Supermarktkasse, nicht im Zwinger. Sprüche wie "Ich bin Hiwi. Das heißt Hilfswissenschaftler." können Sie sich sonstwohin stecken. Außerdem sind so Hiwi-Ausweise keine gültigen Ausweisdokumente. Soll heißen, auch mit so einem Ausweis gibt es keinen Alkohol. Und ja, das darf ich entscheiden.

Neuntens. Wenn ihr Baby schreit, habe ich das Recht, mein Gesicht zu verziehen, weil meine Trommelfelle platzen. Sparen Sie sich die Frage, ob ich denn Babys nicht mag. Halten Sie mir das Baby auch nicht hin, damit ich es streichele - schreiende Babys sind nicht niedlich, liebenswert oder ähnliches. Schreien Sie nicht, um mir etwas mitzuteilen, sondern kümmern Sie sich um Ihr Kind. Mit mir reden können Sie auch dann noch, wenn die Lautstärke um uns herum wieder normal ist.

Zehntens. Lassen Sie ihren Ehekrach anderswo. Wenn Sie verheiratet sind, heißt das in der Regel, dass Sie zumindest mal volljährig sind. Ergo gilt für Sie: Halten Sie mal für die fünf Minuten an der Kasse die Schnauze, wenn Sie schon nicht freundlich mit einander umgehen können. Und lassen Sie sich scheiden, verdammt.

Elftens. Wenn Sie Artikel auf dem Kassenband stapeln, dauert der Kassiervorgang länger. Ja, definitiv. Nein, das ist nicht Ansichtssache. Das selbe gilt für Joghurtbecher in ihrer Papppalette, gesammelte Ware in einem Milchkarton, gesammelte Ware in einer Tüte, tiefgefrorenes in einer Kühltasche und alles, einfach alles. Legen Sie ihre Ware lose auf das Kassenband, dann geht alles am schnellsten. Wenn Sie die Zeit haben, können Sie natürlich alles auch eingepackt lassen, dann ist mir das egal. Wenn Sie es eilig haben: Packen Sie ihren Scheiss aus!
Und jetzt eine Extra-Bemerkung für alle Sonderschwachmaten: Wenn Sie sich eine Plastiktüte nehmen und ihre Ware dann auf diese Plastiktüte legen, stellen oder setzen, haben Sie das Recht auf den Spruch "die Tüte bitte zuerst" verspielt.

Zwölftens. Wenn ich Ihnen zu schnell arbeite, liegt das daran, dass es Samstagnachmittag ist und automatisch schnell arbeite. Wir können mit einander reden, dann ziehe ich die Artikel gern langsamer über den Scanner, aber "mach mal langsamer, ey" mit einem bösen Blick macht mich nur schlecht gelaunt. Und zwar ganz speziell Ihnen gegenüber.

So, das Dutzend ist voll. Liebe Kunden, ich hoffe, dass Sie, wenn Sie sich mit den angemerkten Punkten zumindest teilweise identifizieren können, entsprechende Maßnahmen ergreifen, um nicht mehr so unglaublich anstrengend zu sein.

Mit freundlichen Grüßen,

Der Kassierer
Clara (Gast) - 17. Aug, 19:06

Die lieben Kunden - die ausgewachsenen, die oft unverschämter sind als die verzogensten Kleinkinder ;-)

Da passt der letzte Eintrag (12.08.) geradezu pferfekt dazu: http://aci.blogg.de/

Ich glaube manchmal man sollte statt Bund und Co. alle Leute verpflichten ein paar Monate im Verkauf zu arbeiten, vielleicht würden sie dann ein wenig über ihr Verhalten nachdenken...

Jonas (Gast) - 19. Aug, 14:48

Toller Eintrag, wirklich.

Aber:
1. KA wie das bi euch ist, aber in der Schweiz tut man dem Kassierer nen Gefallen, wenn man 20 Liter Milch stapelt. Der braucht dann einfach den ganzen Stapel rüberzuschieben und x20 einzutippen, statt jeden mühsam einzeln.

2. "Kundentrenner"? Das hab ich jetzt echt noch nie gehört. *g* Ist das offiziell beglaubigt oder stammt das von deiner kreativen Ader?
waszum - 20. Aug, 20:44

Mhh, das war in der Tat nicht clever ausgedrückt. Was ich damit meine, sind ungleiche Artikel :) 20x Milch ist in der Tat einfach und Zeit sparend zu machen, aber wenn man Milch, Wurst, Käse, Spielzeug, Gemüse, Vokabelheft, Portmonnaie, Bambussprossen, Ketchup, Kopierpapier und Kiwis alles in eine Tüte stopft, dann dauert es halt länger, so :)

"Kundentrenner" ist meine Wortschöpfung. Der Gegenstand brauchte ein Wort, und da das so klingt, als würde man damit Kunden zerschneiden, finde ich es gut ;)

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